Freitag, 4. Mai 2018

Die haben hier einTrampolin und ich liebe es!

So, jetzt muss ich aber wirklich mal ein bisschen in die Tasten hauen, ich hab viel zu erzählen.

Zunächst einmal aber das obligatorische Panikschieben, da die Zeit wirklich rennt! Ich habe gestern eingesehen, dass ich nur noch eine Hand voll Wochenenden habe. Deswegen hatte ich mich entschieden für das Mai-Lager von der Kirche abzusagen und musste bei einem Blick auf die Planung feststellen, dass es nur noch zwei Gelegenheit geben wird, für mich nochmal zu UG zugehen.

Es ist jetzt Freitag und für dieses Wochenende habe ich tatsächlich noch nichts vor. Das Wetter soll alllerdings schön und endlich auch wieder warm (20 Grad) werden, deswegen werden wir bestimmt viel draussen sein. Dann nächste Woche nur drei Tage Schule und am Donnerstag gehts dann aufs Land. Endlich!

Ich war bis jetzt drei Mal dort. Ein Mal im kalten und nassen November, um alles wintersicher zu machen. Ein Mal vor ca einem Monat, eigentlich um Grünschnitt zu verbrennen, aber vor Ort erwarteten uns 50cm Schnee und ein tiefgefrorener Holzhaufen, der auch nach vier Stunden und 10 Litern Diesel keine Anstände machte zu brennen. Und dann zuletzt vor einer Woche, um das Wasser wieder anzustellen und draussen ein paar Spuren des Winters zu beseitigen.

Der Schnee ist hier und auch auf dem Land zwar schon lange weg, aber 98% der Bäume sind noch immer grau. Vor zwei Wochen hatten wir hier schonmal recht warme Temperaturen und ich bin, zugegebenermassen etwas übertrieben, in Shorts und T-Shirt rumgelaufen. Dieses Wochenende soll der Frühling jetzt endlich wieder zurück kommen und dann auch erstmal bleiben. Perfekte Voraussetzungen für vier Tage und meine ersten Nächte auf dem Land. Ich freu mir echt nen Ast ab.

Dann ein noch nicht ausgeplantes Wochenende und dann kommen auch schon meine Eltern zu Besuch. Ich hab mir lange verboten daran zu denken, da es noch so weit weg war und ich mich nicht am Ende noch ausversehen selbst heimwehig machen wollte. Aber jetzt ist es so nah, dass es sich fast unwirklich anfühlt und ich mich endlich auch darauf freuen kann. Pläne hab ich noch keine richtig, ein bisschen Södertälje und viel Stockholm.

Die Woche und das Wochenende darauf sind wir dann auf ganz viele "Student-Feste", also Feste bei denen man feiert, dass man das Abi geschafft hat, eingeladen. Dann ist Juni... ja


Hier ein Bild von der letzten Schön-Wetter-Phase und damit Tschüss 

Freitag, 27. April 2018

Avicii

So bevor ich anfangen kann über alles Schöne zu erzählen, was ich die Tage so erlebt habe, möchte ich erstmal von dem erzählen, das alles überschattet hat.

Avicii ist tot. Als ich das letzten Freitag erfahren hatte, gab es erst einen Google Eintrag darüber und der war 2 Minuten alt und ich habe noch darauf gehofft, dass alles nur ein Fehler ist. War es aber leider nicht. Auch meine Gastfamilie war total schockiert und der schöne Grillabend verlor etwas an Stimmung.

Jetzt, fast exakt eine Woche später, muss ich sagen, dass mich noch nie ein Tod eines "Prominenten" so mitgenommen hat. Ich will jetzt auch gar nicht vorheucheln, dass ich ein extrem großer Fan war, dann das war ich nicht, aber 2013, das Jahr von Wake Me Up und das Jahr, in dem ich mich entschieden habe, dass ich nach Schweden will. Und Avicii war davon kein unwesentlicher Teil.

Ganz davon abgesehen, fühlt sich jetzt hier alles nochmal viiieel näher an. Ich kenne die Gegend wo er aufgewachsen ist, kann die allerersten Interviews verstehen, weiss wo das Norra Real Gymnasium liegt wo er zur Schule ging, kenne die Stadt die er in zahlreichen Liedern besingt und kann die herzzerbrechenden Briefe seiner Eltern verstehen. Auch wenn er dieses Ende selbst gewählt hat, sowas darf einfach nicht passieren. Das geht nicht in den Kopf rein.

Alles wird nur noch schmerzhafter, nachdem man die nur ein paar Monate alte Dokumentation um ihn schaut und sieht, wie das Touren und die Industrie ihn kaputt gemacht haben. Selbst habe ich die Dokumentation noch nicht gesehen, weil ich schon nach wenigen Minuten nur knapp einen Heulkrampf vermeiden konnte. Vieles darin ist seit letzten Freitag noch 1000 mal schmerzhafter anzuschauen.

Tim Bergling, das könnte absolut ein Kumpel von Josef gewesen sein. Ich hab hier schon viele getroffen, die mich, jetzt im Nachhinein, an ihn erinnern. Es ist nicht übertrieben, wenn ich sage, dass Schweden noch immer trauert, und Schweden... das bin jetzt auch ich.

Liebe Grüße,
Emilia

PS: Ich frage mich, ob ich jemals wieder ein Avicii Lied hören können werde ohne direkt traurig zu werden

Freitag, 13. April 2018

Dreiundsiebzig Tage

Zwei Monate, eine Woche, fünf Tage. Exakt so viel Zeit verbleibt mir noch hier in Schweden, in Södertälje, in diesem gelben Holzhaus auf dessen Terrasse ich gerade trotz nur knapp zweistelligen Temperaturen im T-Shirt sitze und versuche ein bisschen Sommer-Feeling und Farbe zu bekommen.

Nur noch dreiundsiebzig Tage in meiner Gastfamilie, die so wundervoll ich, dass mir die Worte dafür fehlen. Klar werde ich zurück kommen, aber ich muss einsehen, dass es nie wieder so sein wird, wie in diesen Wochen und Monaten.

Mein Leben wird auf unbestimmte Zeit und vielleicht sogar nie wieder so einfach und entspannt sein. Denn Probleme gibt es hier nicht, in einer Welt in der Aufstehen vor 8.00 Uhr eine Seltenheit ist, in der Schultage nicht länger als 4-5 Stunden sind, wo man Hausaufgaben nur macht, wenn man gerade Lust hat. Kein Arbeiten am Wochenende, kein Verzweifeln über bevorstehende Arbeiten, keine Übermüdung, kein Tanztraining, absolut keine Konflikte. Das Leben ist einfach leicht.

Von Freundschaften, wie ich sie in Deutschland habe, bin ich hier weit entfernt, aber daran hab ich mich gewöhnt. Und manchmal kann ich mich ganz schön unproduktiv fühlen, denn wie beschissen Schule auch manchmal sein kann, am Ende des Tages weiss man immer, was man gemacht hat und, dass man einen Schritt näher zu den Herbstferien, dem Ende des Schuljahres und dem Abitur gekommen ist.

Mein Leben ist vielleicht ein bisschen flach im Moment, auf konstant hohem leicht überdurchschnittlichem Niveau.

Seit ein paar Tagen kann man sich hier einbilden, dass Frühling ist. Die Natur traut der Sache noch nicht recht und zögert noch damit aus dem Winterschlaf zu erwachen. Aber das ist nur noch eine Frage der Zeit. Die Temperaturen lagen die letzten Tage so um die 10 Grad, doch in der Sonne kann man locker ohne Jacke sitzen.

Vielleicht liegt es auch daran, dass ich den Frühling jetzt einfach herbei zwinge. Die Winterstiefel wurden nach reichlich sechs Monaten wieder durch Sneakers ersetzt, ich radle mit offener Jacke zur Schule, geh am Abend eine Runde Fahrradfahren oder im T-Shirt laufen. Mache schlicht und ergreifend das, was ich mit dem Frühling und Sommer verbinde.

Das einzige, dass ich nicht imitieren kann, ist dieses Gefühl, das ich so viele Jahre lang hatte. Wenn man das erste Mal ohne Jacke zur Schule fährt und plötzlich realisiert, dass Sommer und Sommerferien nahe sind. Da schließt man mit dem Schuljahr schon so halb ab, die meisten Noten sind eh sicher und ohne all den Stress hat man mit einem Mal viel mehr Zeit und kann Sachen machen, die einem Spass machen. Diese Leichtigkeit ist es, die mich jeden Frühling wiederbelebt und die ich hier jetzt gerade vielleicht ein bisschen vermisse.

Aber ganz ehrlich, das ist meckern auf hohem Niveau. Und wenn das Wetter hier auch nur annähernd so weitermacht, dann werden die letzten Wochen hier einfach nur traumhaft werden. Ob zwei Monate, eine Woche und fünf Tage jetzt lang oder kurz sind, weiss ich nicht genau, aber ich glaube sie werden viel schneller vergehen, als mir lieb ist. Ich werde versuchen, das Beste daraus zu machen.

Emilia


Donnerstag, 29. März 2018

Warten auf den Frühling

So, kurzes Update: Hier ist immer noch Winter.

Alle warten verzweifelt auf den Frühling, meine Gastfamilie versichert mir jeden Abend, wenn wir verzweifelt den Wetterbericht schauen, dass dies kein normales Jahr ist. Vor zwei Wochen hatten wir mal einen Tag 10 Grad und Sonne und wir haben auf der Terrasse Waffeln gegessen. Herrlich! Aber seitdem sind es wieder nur so um die 0 Grad und der Wind bläst kalt.

Jetzt nach der Zeitumstellung ist alles noch nerviger und ich komm mir vom Wetter verarscht vor. Die Sonne scheint wie wilde und es ist hell bis fast 20.00 Uhr. Eigentlich will man nur draußen sein, aber sobald man dann draußen ist, friert man sich nach ein paar Minuten den A**** ab. Im Januar war sowas noch okay, aber jetzt ist fast April und es ist Zeit für wärmeres Wetter.

Man will also immer noch einfach nur drinne sitzen, dann scheint aber die ganze Zeit so die Sonne und man bekommt ein schlechtes Gewissen, dass man so inaktiv ist. Ich möcht so gerne Södertälje und Umgebung mit dem Fahrrad erkunden, aber das Eis hat das bisher noch verhindert. Eis und Schnee verschwinden jetzt zwar so langsam, aber Minusgraden Fahrradfahren macht dann doch nicht so Spass.

Ja, jetzt hab ich dann auch mal fertig gemeckert.

Hier noch ein paar Bilder vom letzten Wochenende, als wir im Stendörren Naturreservat wandern waren.




Frida und Ylva

"Stendörren", eine Landenge zwischen einem See und dem "offenen" Meer


Montag, 19. März 2018

Ski-Urlaub in Högbobruk

Soo da ist auch schon wieder fast ein Monat vergangen, ich merke wirklich wie die Zeit beginnt schneller und schneller zu vergehen.

Der größte Höhepunkt der letzten Woche war sicherlich die eine Woche Ferien, noch genauer die vier Tage Winterurlaub. Am jenem Sonntag haben wir uns also frühs mit vollbepacktem Auto auf den Weg nach Högbobruk, Sandviken gemacht. Die nächsten Tage sollten in Mittel- und Südschweden wirklich von Schneekaos und stundenlangen Staus geprägt sein, aber wir hatten sowohl auf dem Hin- als auch auf dem Rückweg richtig Glück und sind reibungslos durchgekommen.

In Högbobruk angekommen haben wir Mittag gegessen und dann gings auch schon auf die erste Skitour. Dann kam sogar noch die Sonne raus und es war richtig traumhaft. Nach 8 km und 2,5 Stunden (das langsame Tempo war wohl mir zuschulden) später waren wir wieder in unserer Hütte und ich war einfach nur fertig mit der Welt. Dementsprechend konnte ich mich nichtmal motivieren noch in den Spa zugehen und hab stattdessen erstmal zwei Stunden geschlafen. Dann gings aber doch nochmal raus zum Abendessen einkaufen, wir vier alle kurz vorm Verhungern. Ein paar Packungen Fertig-Tortellini haben uns dann aber doch noch vor dem Hungertod gerettet und noch vor 22.00 Uhr haben alle geschlafen.

Am nächsten Tag konnten wir dann zum ersten Mal das unglaubliche Hotelfrühstück geniessen. Alles was das Herz begehrt! Brot, Obst, Saft, Müsli, Joghurt, Smoothie, Gebäck, Rührei und Waffeln. Danach hätte man sich am Liebsten direkt wieder ins Bett gelegt und ein Verdauungsschläfchen gehalten, aber daraus wurde nichts, denn es sollte auf große Ski-Tour gehen.


Mit unzähligen Lagen Klamotten, gewachsten Skier und Fika im Rucksack ging es los. Ich bin definitiv kein Talent im Langlauf aber ich kam immerhin voran und Spass hat es auch gemacht. Hingefallen bin ich nur zweimal. Einmal weil ich zu stur war einzusehen, dass ich den Anstieg nicht im Parallelstil in der Spur hoch kann und dann rückwärts wieder den Berg runtergerutscht bin. Das andere Mal hat meine Panik vor allzusteilen Abfahrten dazu geführt, dass ich zunächst ewig brauchte um mich zu überwinden und nach ein paar geglittenen Zentimetern meine Entscheidung bereute und mich als Notbremse auf die linke Seite geworfen habe.

Nach 6 km waren wir dann an einem kleinen Unterstand angekommen und haben dort Tee getrunken und etwas Studentenfutter gegessen. Der Kälte zu schulde war die Pause recht kurz und dann ging es auch schon weiter. Am Ende des Tages hatten wir dann fast 14 Kilometer in den Beinen und wir alle waren mehr als fertig.

Doch trotz Muskelkater des Todes ging es auch am nächsten Tag wieder in die Spur. Dieses Mal war eine "etwas" bergigere 8 Kilometer Runde unser Ziel. Und die war nicht nur etwas, sondern sehr viel bergiger. Gefühlt 80% der Zeit sind wir also breitbeinig im Schneckentempo irgendwelchen Anstiege hochgewatschelt, mit der permanenten Angst nach hinten weg- und den ganzen Weg wieder zurück zu rutschen. Auch die Abfahrten sorgten, zumindest bei mir, nicht für Entspannung. Aber auch das war dann irgendwann vorbei und nach einer Mittagspause in der Hütte konnten Karin und ich uns aus unerfindlichen Gründen sorgar noch dazu aufrappeln noch eine kleine 2,5 Kilometer Runde dranzuhängen.



Anschliessend gings dann endlich in den Spa und auch wenn das Wasser im Whirlpool viel zu kalt war, taten Sauna und Dampfbad dem geschundenen Körper sehhhrr gut.

Mittwoch war dann auch schon der letzte Tag. Am Abend zuvor hatten wir schon alles zusammengepackt, sodass wir uns nur noch ein letztes Mal auf den Weg zum Frühstück machten und dann in Richtung "Kungsberget" fuhren. Für Erik und Ylva ging es wieder in die Langlaufspur und für Karin und mich stand Abfahrt auf dem Programm. Ich wurde vorher gewarnt, dass es ein sehr kleines Skigebiet ist, aber letztendlich war es mit 7 Liften und 12 Pisten das mit Abstand grösste Skigebiet in dem ich jemals war.

Wie jedes Mal war ich auch dieses Jahr wieder positiv überrascht, dass ich das Skifahren nicht verlernt hatte und alles ging fast Unfallfrei über die Bühne. Karin hat sich ein paar Mal "hingelegt" und es geschaftt zwei (!!!) Ski-Stöcke zu zerstören :D


Das einzige was man als Unfall bezeichnen könnte, war eine Horror-Fahrt mit dem Schlepp-/Ankerlift. Keine Ahnung, wie es passierte, aber jedenfalls hingen Karin und ich beide schon nach wenigen Sekunden hinter dem Bügel und haben verzweifelt versucht uns festzuklammern. Das scheinte am Anfang auch zu funktionieren, doch als die Arme anfangen zu schmerzen war es zu spät um loszulassen, denn rechts und links war nur Wald und Tiefschnee. Es wurde immer steiler und die Arme brannten nur noch. Der Berg wollte kein Ende nehmen und Karin begann aus Verzweiflung zu lachen, ich zu weinen. Irgendwie hatten wir es dann doch nach oben geschafft und lagen dorte erstmal fünf Minuten uns vor Schmerzen krümmend im Schnee, dann lies der Schmerz nach und wir haben getan als wär nie was passiert. Wir waren dann aber doch so geschafft, dass wir die falsche Abfahrt gewählt haben und in einer Sackgasse landeten, aus der man nur mit eben jenem Schlepplift wieder raus kommen konnte. Es ging dann zum Glück alles gut, aber den Lift haben wir dann aber doch für den Rest des Tages gemieden.

Ich hatte auf jeden Fall immer noch unglaublichen Muskelkater und manchmal hab ich einfach mitten in der Abfahrt geschrien, weil die Oberschenkel so brannten. Trotz aller Schmerzen war es ein richtig schöner Tag mit allen möglichen Wetterlagen und teilweise richtig tollen Aussichten. Trotzdem war ich ungaublich froh, als Erik und Ylva dann auftauchten um uns abzuholen. Nach 10 Minuten im Auto war ich dann auch schon eingeschlafen und bin erst als wir von der E20 abgebogen sind wieder aufgewacht.

Da war der Urlaub also auch schon wieder vorbei, aber der Muskelkater sollte mich noch ein paar Tage begleiten. Ich habe leider kaum Bilder gemacht, aber im Kopf sind der Erinnerungen für immer gespeichert.

Mittwoch, 21. Februar 2018

Die Schweden und ihr Essen

So, jetzt ich es mal Zeit für einen Post, der wirklich ein Thema hat, ein sehr wichtiges noch dazu: Essen!

Und was das angeht kann ich mit nichts Anderem anfangen, als dem absoluten Stereotyp: Köttbullar.
Und es ist wirklich so, Köttbullar mit Maccaroni und Ketchup ist hier eine absolute Standard-Mahlzeit. Egal ob in der Schule, in einer Studenten-WG oder zum Familienabendessen. Meine Gastfamilie hat eine riesige Variation an Gerichten und wenn es dann dochmal Köttbullar sind, dann gibt es eine wirklich realitätsnahe vegetarische Alternative. Lecker!

Dann etwas, dass man vielleicht nicht in Schweden erwarten würde: Tacos! Diese sind hier unglaublich beliebt, jeden Freitag sehe ich unzählige Snaps vom traditionellen Taco-Fredag. Bei uns zuhause gab es bis jetzt nur zwei Mal Tacos, zuletzt gestern. Auch hier gibt es eine passende Alternative (Quorn) für  mich und ich liiieeebe Tacos. Schön mit Guacamole, Tomate, Gurke, Salat und Quorn. Mhhhhm

Definitiv auch erwähnt werden muss der hohe Konsum an Milchprodukten. Milch trinkt man hier wie Wasser zu jeder Mahlzeit, 100000 Sorten von Joghurt, Fil (eine Art sauerer Joghurt, nach Monaten weiss ich immer noch nicht genau, ob ich das jetzt mag oder nicht), Käse und Butter. Also wirklich, so eine Molkerei-Abteilung, das habt ihr in eurem Leben noch nicht gesehen. Nachdem ich fast zwei Jahre komplett ohne tierische Produkte gelebt habe, kann mich daran manchmal ein bisschen stören, aber was soll man machen. Immerhin kauft meine Gastfamilie fast immer Bio.

Und dann natürlich noch: Kanelbullar, Kardamombullar, Semla. Wenn sie was können, die Schweden, dann ist es Süssgebäck. Kanelbullar och Semla haben sogar ihren eigenen Feirtag, der landesweit zelebriert wird. Wenn wir schonmal beim Süssen und Ungesunden sind, dann kann ich auch gleich noch das Lösviktsgodis erwähnen. Riesige Regale wo man sich seine eigene Süskram-Mischung zusammenstellen kann und dann per 100g bezahlt. Da ich aber nie wirklich Gummibärchen mochte und viele zudem Gelatine enthalten, halt ich mich bei sowas eher zurück.





Davon abgesehen, kann ich jetzt nicht mehr so große Unterschiede zu dem bei uns in Deutschland erkennen. Vielleicht ist noch zu erwähnen,
dass hier außergewöhnlich viele nach Rezept und ziemlich avanciert kochen. Meine Gastfamilie hat zum Beispiel eine riesige Rezeptesammlung, die jeden Sonntag rausgeholt wird und dann werden 7 Rezepte ausgewählt und dementsprechend eingekauft. Ich habe in meinen knapp 4 Monaten bei ihnen noch kein Gericht mehr als drei Mal gegessen.

So sieht es bei uns am Abendbrotstisch aus
So, jetzt ist es gleich 11.00 und ich hab beim Schreiben dieses Posts direkt Hunger bekommen, also werde ich mir jetzt mal das wundervolle, kostenlose, schwedische Schulmittagessen zu Leibe führen

Mittwoch, 14. Februar 2018

Im Norden nichts Neues

Ähhm ja, da ist es auch schon wieder fast einen Monat her, dass ich geschrieben habe... und trotzdem weiss ich selbst jetzt nicht richtig, was ich schreiben soll. Das neue Jahr war bisher nicht wirklich ereignisreich.                      

Es ist kalt und der Schnee wechselt in der Konsistenz permanent zwischen zu Eis gefroren und Matsch. Die Sonne zeigt sich eher selten, das schlägt auf die Stimmung und die Motivation Sachen zu unternehmen. Ich hab also relativ viel Zeit zuhause verbracht. An sich ist das ja gar nicht schlimm, aber ich habe dann immer das Gefühl, ich verschwende meine Zeit hier.

Ein paar Mal war ich auf alle Fälle in Stockholm, die Wochenenden verbringe ich meist mit meiner Gastfamilie, vorletztes Wochenende war Konfirmationlager in Tumba und ich war als einer der Leiter da und danach war ich noch ne Woche richtig schön krank.

Heute, passend zum Valentinstag, treffen wir die neuen Austauschschüler, die Ende Januar angekommen sind und am Sonntag haben wir unser gewöhnliches Treffen mit meiner Koordinatorin. Ebenfalls am Wochenende wird dann mein Gastbruder, der in Skåne wohnt, für eine Woche nachhause kommen und dann ist auch schon Sportlov, also die hier in Schweden nur einwöchigen Winterferien.

Es macht sich langsam wirklich bemerkbar, dass es hier schon seit Monaten recht dunkel ist und auch, wenn wir jetzt schon locker zwei Stunden mehr Licht, als im Dezember bekommen, sehne ich mich wirklich nach dem Frühling. Ich wurde zwar schon gewarnt, dass der Winter hier durchaus bis in den April dauern kann, aber ich hoffe mal auf das Beste und darauf, dass mit dem Februar das schlimmste bald überstanden ist.

Irgendwann im Januar habe ich hier Halbzeit gefeiert und fünf Monate kommen mir gleichzeitig viel und wenig vor. Inzwischen weiss ich, dass ich auch noch Mittsommer hier in Schweden verbringen werden darf und dann am 25. Juni nachhause fliege. Auch die Wochen davor sind schon recht ausgeplant.

Ich befinde mich ein bisschen in einer ähnlichen Situation, wie vor einem Jahr. Damals ist
zu diesem Zeitpunkt absolut nichts Neues bezüglich meines ATJ´s passiert und auch so war das Leben allgemein recht ereignislos. Ich verbrachte also mehrere Wochen einfach nur wartend, wartend, dass die Zeit vergeht und endlich Mai oder so ist. Und gleichzeitig wusste ich, dass die Zeit am Ende sicherlich viel zu schnell vergehen wird und ich eigentlich die Gegenwart geniessen sollte.

Ähnlich geht es mir jetzt auch. Es passiert nicht viel Spannendes und ich warte eigentlich nur, dass endlich Frühling wird und man endlich wieder mehr draußen sein kann und will. Aber natürlich weiss ich auch, dass meine Zeit hier viel zu knapp und kostbar ist um einfach monatelang nur zu "warten".

Jaha, das ist also zur Zeit so ein bisschen mein Dilemma, aber an sich ist alles im hellgrünen Bereich.

Ihr hört bald wieder von mir,
Emilia

Ein sonniger Sonntag in Järna